Eine Flußlandschaft im Wandel der Zeiten.
Die untere Saar – ein durch Natur und Mensch geprägter Fluß und seine Umgebung

Eine kommentierte Info-Tour von Erwin und Martin Lutz 

  • Länge der Hauptroute ca. 9,6 km / Höhenunterschied, ca. 60 m
  • Ausflug zum Aussichtspunkt "Rundfels" ca 1,4 km / Höhenunterschied ca. 95 m
  • Sonderstrecke über den Kanzemer Altenberg ca. 2,7 km, Höhenunterschied ca. 90 m

Diese Wanderung wurde von uns sorgfältig vorbereitet. Wir haben die Daten und Themen zu unserer Region und entlang des Wanderweges aus uns gut bekannten Quellen recherchiert. Trotzdem können wir für die absolute Richtigkeit keine Gewährleistung übernehmen. Wir haben zur Streckenführung eine Karte erstellt und alle Zahlen in Klammern – z. B. [4] – in dieser Karte mit roter Zahl im Kreis markiert. Ein Klick auf diese Zahl ermöglich das Springen auf die entsprechende Textstelle. Die Wanderstrecke ist rot liniert (einen zusätzlichen Abstecher zu einem Aussichtspunkt in violett). Fotobeiträge haben wir als klickbare Links (farblich markierte Begriffe) auf separate Seiten angelegt. Wir nehmen gerne Anregungen, Kritik (natürlich auch Lob) entgegen. Bitte benutzen Sie hierzu unser GÄSTEBUCH oder die Mailbox.

Kanzem, im Oktober 2007, Erwin und Martin Lutz

IMPRESSUM: Für den Inhalt dieser Website ist der Betreiber Martin LUTZ, Kirchstr. 31, 54441 Kanzem verantwortlich. Er versichert, gegen keinerlei gesetzliche Auflagen und Bestimmungen verstoßen zu haben. Keine Haftung für Inhalte von Seiten von Fremdbetreibern, auf die unsere Links verweisen! © Mai 2007
Die Fremdnutzung, Kopie und Weiterschaltung dieser Seiten gesamtheitlich und in Teilen, insbesondere Plagiatentum und Inhaltsverzerrung, ist urheberrechtlich verboten. Alle Angaben gemäß § 6 TDG

 

Einleitung
Die „Saarweininsel“ Kanzem liegt im 1980 gegründeten Naturpark Saar-Hunsrück. Sie wird umflossen von der „Altsaar“ und dem neu gegrabenen Saarkanal. Die Erreichbarkeit ist über vier Brücken und die Bundesbahnstrecke Trier-Saarbrücken gegeben. Der Ort ist geprägt vom Weinbau und seiner touristischen Nutzung als Fremdenverkehrsort. So gibt es zahlreiche Weingüter und private Winzer, die den Tourismus als Zusatzgeschäft betreiben. Der attraktive Ort wurde schon mehrfach in Wettbewerben „Unser Dorf soll schöner werden“ als Sieger ausgezeichnet.      

Zum Start der Route
Wir starten die Wanderung (siehe Kartenskizze) am neu gestalteten Haltepunkt der Bundesbahn. Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Vor uns liegt die Saarbrücke von 1929 (s. Erl. TK I). Dahinter die Ortslage Kanzem auf der deutlich sichtbaren Hangkante der Niederterrasse (ca 145 m ü.NN). Dieser Hangkante verdankt Kanzem immer schon eine fast völlige Verschonung vor Hochwässern.

Wir überqueren die Brücke und sehen linker Hand am Saarradweg den historischen Dorfbrunnen [1]. Dahinter das restaurierte ehemalige Weingut Rautenstrauch [2]. Weiter geht es gerade aus durch die Brückenstrasse bis zur Gabelung. Dort biegen wir nach links in den Alten Weg, einer der ältesten Kanzemer Wirtschaftswege (1804 exakt in heutiger Lage kartiert). Nach ca. 200m finden wir links drei weinbauliche Betriebe. Beengte Altbetriebe in der engen Ortslage und staatliche Förderung erleichterten die Aussiedlung. Nach 100m biegen wir links ab. Wir befinden uns nun auf der Mittelterrasse (ca 160 m ü.NN). Etwas weiter links finden wir einen Kiesabbau. Hier [3] wird der bankig abgelagerte Schotter in einer Mächtigkeit bis zu 5 m gewonnen und aufbereitet. Dabei entstehen Steilwände, in denen die seltenen Uferschwalben ihre Nisthöhlen graben. Am Ende des Weges, von der Hangkante aus, sehen wir Wiltingen vor uns. Wir gehen etwa 200m rechts ab zum Waldrand.

Kurz vorher biegen wir links in einen Wirtschaftsweg ein. Wir befinden uns in der Weinlage Wiltinger Schloßberg. Gleich am Beginn sehen wir einen Weinberg in abgewandelter traditionaler Erziehungsart: der Vertico-Erziehung. Sie erleichtert wesentlich Stock- und Laubarbeit. Nebenan findet sich eine moderne Drahterziehunganlage. Sie lässt eine fast vollmechanische Bewirtschaftung der Parzelle zu.

Wir blicken nun auf die Ortslage Wiltingen [4], deren alter Ortskern dem von Kanzem nahe kommt. Prägend ist die Pfarrkirche, auch „Saardom“ genannt. Die Dorfentwicklung nimmt ihren Gang wegen der Enge der Talaue in die Seitentäler. Wegen dieser Auenlage wurde Wiltingen häufig von Hochwässern heimgesucht. Die neu erbaute Saaruferstrasse hat diese Situation weitgehend entschärft.

Wenden wir uns nun der Saar zu. Bei Normalwasser ist der Saarverbau [5] entlang des Ortes sichtbar. Hier wurde eine Verbesserung für die historische Saarschifffahrt versucht (s. Erl. TK I). Gelungen die ist Erhaltung der Artenvielfalt von Flora und Fauna in diesen Stillwasserzonen, ein "El Dorado" für Graureiher und Höckerschwan, See- und Teichrosen.

Wir wandern den Weinbergsweg, durch Waldzungen und Weinbergsbrachen unterbrochen, entlang bis wir rechts ein verfallenes Weinbergshäuschen erreichen. Hier gehen wir, bei mässiger Steigung, geradeaus. Nach ca 150m sehen wir links unten den [6] Saarwinzerverein. Er ist als zentrale Sammel- und Verarbeitungsstelle für die Ernte der Winzer zu Qualitätsweinen und -sekten an unterer Saar und der Obermosel gegründet (1961). Ihre ursprüngliche Bedeutung verlor die Anlage durch die Betriebsaufgabe der zahlreichen Nebenerwerbsbetriebe. Eine Fusion mit der Zentralkellerei in Bernkastel-Kues sicherte das Überleben.

Nach einer Rechtskurve erreichen wir die aufgegebene Weinlage Schlangengraben. Hier wenden wir uns scharf rechts und steigen ein kurzes Teilstück des Weges steil bergan. Nach ca 100m erreichen wir die Gemarkungsgrenze zwischen Kanzem und Wiltingen. Ein Wegekreuz und ein Grenzstein aus Sandstein markieren die Stelle. Hier beginnt der Wald. Nach etwa 150 m stossen wir auf einen gut ausgebauten Waldweg, dem wir nach links folgen. Rechts und links sind noch deutliche Spuren des Windbruchs 1990 zu finden.
Links öffnet sich der Wald; wir sind ca 240 m hoch. Vor uns liegt die Weinlage "Kaypich". Von hier sieht man auf die Hangkante der Mittelterrasse gegenüber Schoden [7]. Der Überlieferung nach soll dort eine römische Villa aus der Zeit um 370 nach Christus bestanden haben. Wandreste, Säulen, Münzen, Mosaikfussboden, Wasserleitung und Badezellen mit Heizung wurden 1835 gefunden. Wir gehen gerade aus weiter und erreichen eine Abflussrinne der Hauptterrasse, die überwiegend mit Mischwald bestückt, die Kanzemer Saarinsel nach oben abschliesst. Nach einem kurzen Aufstieg gerade aus erreichen wir einen der ergiebigsten Aussichtspunkte [8] der unteren Saar.                                (zurück zum Anfang)

Von hier aus erblicken wir in südlicher Richtung die Stromspaltung der Saar durch den Bau des Saarkanals, der westlich am Standort vorbeifließt. Östlich ist der Altarm der Saar erkennbar, für den aus ökologischen Gründen eine Mindestwasserführung aufrechterhalten wird. Eine Messstation [9] im Altarm der Saar bei Schoden regelt und gewährleistet einen Mindestdurchfluss von 13 Kubikmeter/sec. Wird diese Wassermenge unterschritten – etwa durch Niederschlagsmangel oder häufige Schleusentätigkeit – soll die Fehlmenge durch Zurückpumpen aus dem Unterstau an der Kanzemer Schleuse aufgefüllt werden. Durch Senken der Wehrtore in Schoden nimmt der Altarm die gesamte Hochwasserflut als Retentionsraum auf. Beschädigungen an den Wehr- und Schleusenbauten werden so vermieden.

Am Abzweig des Saarkanals liegt der Ort Biebelhausen, an dessen westlichem Rand sich die Ayler Kupp erhebt. Vom Standort aus ist nur der nordexponierte, bewaldete Hang erkennbar [10]. Der nach Süden exponierte Hang trägt eine der bedeutendsten und besten Weinlagen der Saar. Bis in das Spätpleistozän hinein floss die Saar an der Ayler Kupp in Richtung Nordwesten in das heutige Tal des Weyerbaches bei Wawern. Anschließend folgte sie dem Verlauf des heutigen Saarkanals in südliche Richtung bis Biebelhausen, bevor sie in einem weiteren Mäander in den Verlauf des heutigen Altarms einbog. Der Durchbruch des Ayl-Wawern-Biebelhausener Mäanders [11] erfolgte in der Niederterrassenzeit während des Weichsel-Glazials (vgl. Flussmänderkarte von Müller 1984, S.31f.).

Die starken Krümmungen, das Gefälle und die enge Bebauung ließen zwischen Schoden und Konz-Hamm den Ausbau der Saar für die Großschifffahrt nicht zu. Deshalb wurde der Seitenkanal gegraben. Er nutzt einen Teil des Weyerbachtals und verkürzt die Strecke für die Schifffahrt um 4,9 km. Der Schleusenkanal ist 2 km lang, hat eine Wasserspiegelbreite von etwa 55 m und eine Tiefe von 4 m. Dieser Kanal führte insgesamt zu den größten konzentrierten Bodenbewegungen beim Ausbau der Saar: allein rd. 3 Millionen Kubikmeter Bodenmasse wurden auf der Aufhöhungsfläche Biebelhausen [12] in der Seitenmulde des Weyerbachtals abgelagert (vgl. WASSER- UND SCHIFFAHRTSVERWALTUNG DES BUNDES 1987, S.36f.).

Wir biegen nach rechts ab und folgen dem Weg weiter an der Hangkante entlang etwa 800. Die Weinbergslage links ist der Kanzemer Sonnenberg. Die überwiegende Mehrzahl der Parzellen im oberen Hangbereich ist aus der Nutzung genommen. Jetzt biegen wir scharf links ab und verlassen den Wald. Nach ca 200m erreichen wir einen geräumigen Rastplatz [13]. Von hier bietet sich Richtung Westen ein Blick auf die durch den Ausbau des Saarkanals veränderte Oberfläche der Landschaft. Im Hintergrund sehen wir gut ausgeprägt eine Sandsteinschichtstufe, eine Formation der Trias. Fossiles Grundwasser dieser Formation und Grundwasser aus dem Kieskörper des Ayl-Wawerner Umlauftales werden vom Kreiswasserwerk Saarburg gefördert und in den Hochbehälter auf dem Hostenberg gepumpt. Von hier aus werden dann weite Teile der Region versorgt. Die Qualität des Trinkwassers bedarf kaum einer weiteren Behandlung. Um einem ungewollten Wasserverlust des vorgenannten Kieskörpers vor zu beugen wurde das Weierbachtal mit einer quer verlaufenden Dichtungswand [14] verschlossen. Sie ist 500 m lang und reicht 21 m tief bis zum anstehenden Devonschiefer.

Wir gehen weiter und erreichen nach Überwindung zahleicher steiler Serpentinen die Kreisstrasse 131. Wir wenden uns im Bereich des Wegkreuzes rechts und queren nach ca. 50 m die L137. Vor uns liegt der Parkplatz Saar. Eine Schautafel [15] mit touristischen Hinweisen rund um Kanzem bietet gute Informationen. Die neue Saarbrücke [16] nach Wawern (bemerkenswert die elegante, dam Tal angepasste Einbogenkonstruktion) hat etwa gleiche Höhe mit dem hier abgegrabenen Sattel (ca. 60 m). Wir gehen in nördlicher Richtung abwärts und erreichen am nördlichen, unteren Ende des Kanaldurchstichs die Staustufe Kanzem. Von der Betriebsbrücke [17] haben wir einen guten Überblick auf die Gesamtanlage.

Die 1980 errichtete Staustufe besteht aus einer Großschifffahrtsschleuse mit 190 m nutzbarer Länge und 12 m nutzbarer Breite sowie einer Kleinschifffahrtsschleuse (die Hubhöhe mit 11,75m ist die zweithöchste aller 6 Saarschleusen). Das Pumpkraftwerk/Laufkraftwerk hat mit seiner Rohrturbine eine Schlupffähigkeit von 45 Kubikmeter pro Sekunde. Durch Rückwärtslauf ist die Turbine in der Lage, Wasser aus dem Unterstau in den Oberstau/Altarm zu fördern, wenn es denn dort fehlt.

Westlich der Schleuse erhebt sich steil der sog. Wehrberg. 200 m Fluss abwärts liegt auf der rechten Saarseite der Ort Hamm. Durch die komplexen Zusammenführungsprobleme der Schleusen- und Altarmwässer, insbes. bei Hochwasser und Schiffsverkehr, sorgfältig bei der Forschungsstelle für Wasserwirtschaft in Karlsruhe untersucht, rückte die Saar dem Ort „dicht auf die Pelle“. Die aus Nordosten kommende alte Saar wurde aus gleichen Gründen ab der Kanzemer Saarbrücke in einem neuen Flussbett bogenförmig in den Unterstau heran geführt. Ein Restwasser [18] zeigt den alten Saarverlauf an der Hammerfähre. Ein weiteres Restwasser [19] gegenüber Hamm zeigt den weiteren Verlauf der Altsaar.

Die kleine Hammer Barockkirche [20] mit der seltenen Turmdeckung aus Sandsteinplatten und das Pfarrhaus stehen jetzt unmittelbar an der Uferschutzmauer. Auf ihr hat der Schutzpatron der Saarschiffer, St. Nikolaus, auf seiner vorspringenden Kanzel, Schleuse und Fluss fest im Blick. Hamm gegenüber, in luftiger Höhe des Wehrbergs, hat man vom Rundfels [21] einen weiten Blick ins untere Saartal und über die Trierer Talweite. (siehe violette Alternativstrecke) Der Aufstieg beginnt hinter der Saarbrücke und folgt dem Ritterpfad. Der Aufstieg ist steil (ca. 100 Höhenmeter); aber der Ausblick entschädigt für alle Mühen.

Der aufgeschlossene Hang unterhalb des Ritterpfades zeigt deutlich eine Bruchlinie [22] im Devonschiefer. Das krümelige Schieferbruchmaterial förderte das Wasser des Wehrborn, der in der heutigen Schleusse entsprang, aus dem Wawerner Bruch.
Wir gehen am Kraftwerksgebäude vorbei zurück, biegen rechts ab und folgen dem Betriebsweg 50m. An der Keuzung wenden wir uns links dem Saarufer zu. Hier finden wir eine treppenförmige Bootslipanlage. Dem Uferweg folgen wir Fluss aufwärts bis wir in der rechten Böschung eine kurze Treppe [23] finden. Oberhalb dieser Treppe wurden beim Sandabbau umfangreiche Mauerreste einer römischen Villa gefunden. Heute liegt die Fundstelle unter teilweise 10m mächtigen Deponiemassen des Schleusenausbaues. Nach ca 200m auf dem Uferweg in Richtung Kanzem sehen wir auf der gegenüber liegenden Saarseite einen tiefen Einschnitt [24] in den Hangsporn des Altenberges. In ihm verläuft die Trasse der Eisenbahn von 1860.

Auf unserer Saarseite steht rechts eine Schutzhütte [25]. Links daneben ein umfängliches Feuchtbiotop [26] als Ausgleichsmassnahme für die verloren gegangene ehemalige Talaue mit Kribben und Retentionsflächen. Wir gehen zwischen diesen Anlagen durch und biegen links ein. Im Jahre 2007 wurden zwei überdimensional große Steinskulpturen am Betriebsweg der Saar aufgestellt. Etwa 50 Meter weiter südlich erreicht man den Naturerlebnispfad mit einem "Lebensturm".

Nach 200m erreichen wir den Ortsrand. Die Strasse teilt das ehemalige Anwesen Le Gallais (19 Jhd.) [27]. Der saarseitige Teil, stark kriegsbeschädigt, ist heute, liebevoll renoviert, in neuen Händen. Der gegenüber liegende Teil, das ehemalige Kutscherhaus mit seiner herrlichen Parkanlage, ist weiterhin in Familienbesitz.
Gleich nebenan steht ein renoviertes Quereinhaus. Die Hausvorfläche ist im Sommer traditionell mit mediterranen Relikten des Raumes wie Stechpalmen, Oleander oder anderen, in Kübeln gezogen, immergrünen Pflanzen, bestückt.

Nach weiteren 100m biegen wir links in die Krahnenstrasse ein. Das Eckhaus rechts ist das ehemalige Hofhaus des Weingutes Domfabrik von 1663. Am Strassengiebel ist eine Sandsteinplatte mit den Hausmarken eingelassen. Die enge Pflasterstrasse führt zwischen gut renovierter alter Bausubstanz steil abwärts zum Saarufer.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Saar ist das ehemalige Weingut des Prämonstratenser-Klosters Wadgassen [28] zu erblicken, das heute zum Priesterseminar Trier gehört. Die zugehörigen Weinberge wurden bereits im 14. Jahrhundert bestellt. Das Gebäude ist ein Dokument eines barocken klösterlichen Weinbaubetriebes (vgl. WEGNER 1994, S.168).                           (zurück zum Anfang)

Wir wenden uns rechts und folgen dem ehemaligen Treidelpfad der Saarschifffahrt bis zur Saarbrücke.
Unmittelbar vor der Brücke rechts treffen wir auf eine Messstation [29] Hier werden die wesentlichen Parameter für die Wassergüte abgeglichen. Den Ausleger für die Entnahme der Wasserproben sehen wir unmittelbar hinter der Brücke am Ufer. Gleich erreichen wir den Dorfbrunnen [1]. Ganzjährig fliesst hier gleichmässig kühles Brunnenwasser. Für die frühere Butterzubereitung war es seiner Kälte wegen unentbehrlich. Beim Wäschewaschen und der Viehtränke kam die Kommunikation sicher nicht zu kurz. Die Anbindung des Brunnens an den Ort erfolgte über den kurzen, aber steilen „Burhiwwel“.

Auffällig ist die Vielzahl der Treppen oder treppenartigen Aufgänge vom Saaruferweg zu den höher liegenden Anwesen. Man lebte in früheren Zeiten mit dem Fluss. Unter Schatten spendenden Espen und Weidenbäumen erreichen wir das Weingut Mertes an seiner Uferseite. Gegenüber, versteckt in einem weitläufigen Park, liegt das Weingut von Othegraven [30]. 1654 kommt das Weingut in den Besitz von der Leyen, 1922 von Franz Weissebach an Maximilian von Othegraven. Bei Kriegsende völlig verwüstet entsteht es 1955 neu in seiner heutigen Form. Ein Grossteil der Weinberge in der berühmten Weinlage Altenberg gehört zu dem villenartigen Anwesen.

Die Eisenbahn verläuft unmittelbar hinter den Gebäuden und nimmt ihren Verlauf in einem weiteren tiefen Hangeinschnitt bevor sie die engste Kurve ihres Streckenverlaufs bewältigt. Wegen dieses neuen Kurvenverlaufs wurde der Saarbogen 80m zurückverlegt. Aus den gewonnenen Schottern der Einschnitte wurde der neue Bahndamm geschüttet. Das ehemalige Saarufer [31] ist am Fuss der Weinberge der Wiltinger Kupp noch gut zu sehen.

Unser Weg führt am Ufer weiter gerade aus bis zum Sportplatz. Hier biegen wir scharf rechts ab, wandern am Sportplatz entlang und biegen rechts in die Kirchstrasse ein. Nach etwa 200m liegt rechts der Friedhof. Er wurde zwischen 2001 und 2004 um den Philosophischen Friedhofsgarten [32] ergänzt. Im Rahmen der Landesgartenschau Trier errichtet, war er dezentrales Modellprojekt zur Weiterentwicklung der Friedhofskultur. Eine Informationstafel am Eingang informiert ausführlich über die Symbolik der Anlage.
Einige Meter weiter schuf der Bildhauer Mik Leder seine ausdrucksstarke Basaltplastik. Mit sparsamen Mitteln deutet er die Spuren, die wir hinterlassen. Ihre eigene Interpretation liefern die Kinder, wenn sie voller Freude Übereinstimmung zwischen ihren eigenen und den Konturen der Plastik erfahren.
Der Friedhof selbst vermittelt in seiner geometrischen Anlage, seines schon fast übertrieben gepflegten Zustandes eher einen sterilen Eindruck. Dies wurde hervorgerufen durch die sinnlose Fällung der acht grosskronigen Sommerlinden. Sie unterstrichen die Achsen der Anlage und spendeten Schatten für die Besucher.

Mit der Änderung der Sozialstruktur in den sechziger Jahren veränderte sich auch das Dorfbild. Viele Scheunen und Ställe wurden zu Wohnraum umgewandelt, Hausbäume gefällt und Hofflächen versiegelt. Ein Umdenken kam mit der Dorferneuerung. Aufklärung, Beratung und objektgebundene Fördergelder zeigten Wirkung. Ein gelungenes Beispiel [33] ist nach 150m des Weges zu finden. Wir folgen der Kirchstrasse und erreichen das ehemalige Schulgebäude von 1908 [34]. Teile davon, ein Klassenraum mit Lehrerwohnung mussten (1961) einem Neubau weichen. Um den Kern – die grosse Schule – wurden zwei Klassenräume und eine Pausenhalle als Flachdachbauten angebaut. Bevor eine Umwidmung der Schule zum Bürgerhaus und Kulturzentrum erfolgen konnte, waren umfangreiche Sanierunsmassnahmen erforderlich (Dach, Heizung und Fensterfront).
Wir folgen der Strasse 50m weiter und erreichen auf der rechten Seite die ehemalige Villa Rautenstrauch [2]. Das villenartige Gebäude wurde im Krieg, wegen seiner Nähe zur Saarbrücke, durch Bomben stark zerstört. Erst nach Eigentümerwechsel zur Fam. Dr. Teiwes erfolgte eine Totalsanierung, die dem Ursprungsaussehen sehr nahe kommt.

Gegenüber steht die Pfarrkirche St. Marien [35]. Sie wurde 1814 (ohne den wuchtigen Glockenturm) mit einem dreiseitigen Chorschluss und dem heutigen Dachreiter erbaut. Starke Kriegsschäden erforderten durchgreifende Erneuerungs- und Erweiterungmassnahmen. Teile der wertvollen Innenausstattung (Kanzel, Seitenaltäre Chorgestühl etc) stammen aus dem ehemal. Kloster St. Marien (Patronatsherren 1030-1804. Das Kloster St. Marien wurde etwa um das Jahr 700 vom heiligen Luidwin zusammen mit dem heiligen Willibrod gegründet. Luidwin war, bevor er Bischof von Trier wurde, in weltlichen Ämtern tätig und gehört zu den Ahnen des späteren salischen Kaiserhauses.)
An der Stelle des Ehrenmals [36] für die Gefallenen beider Weltkriege stand bis 1814 die erste Kanzemer Kirche. Die Enge des Kirchleins und des sie umgebenden Friedhofes bedingte den Kirchen- und Friedhofsneubau.

Angrenzend, nur durch eine Gasse, die zum Dorfbrunnen an der Saar führt, getrennt, steht das Haus Nr. 5 [37], ein von der Straße eingerückter Putzbau mit Sandsteingliederungen. Der Wirtschaftteil des Hauses mit seinem Fachwerkgiebel grenzt an . Das Haus wurde 1740 errichtet, der Wirtschaftteil nach den Eintragungen im Scheunentor im Jahr 1824 erneuert. Er erfuhr seinen Ausbau unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Vorgaben und wird heute als Wohnraum genutzt.                      (zurück zum Anfang)

Das Ende unserer Wanderung erreichen wir nach rechts auf die Saarbrücke einbiegend am Bahnhof. Wer nach dieser Wanderung noch Lust auf einen Abstecher auf den Kanzemer Altenberg verspürt, kann diesen über eine alte Weinbergstreppe oberhalb des Weinguts des Priesterseminars [28] besteigen.
Achtung
: Hierfür sollten Sie festes Schuhwerk haben! Hierzu unterqueren wir die Bahngeleise um auf dem Bahnsteig in Richtung Trier zu kommen. Wir nehmen die kurze Betontreppe hinauf auf den Weinbergsweg. Dieser Weg führt uns nach links und ist leicht ansteigend. An seinem Ende ist erschlecht begehbar und endet an einer Durchgangssperre.

Hier beginnt jedoch die Weinbergstreppe nach rechts den Berg hinauf. Die rund 500 Sandsteinstufen sind recht anstrengend im Aufstieg; man wird aber mit einer grandiosen Aussicht über das Saartal bis hin zu den westlichen Bergausläufern des westlichen Hunsrücks belohnt. Hierzu wenden wir uns am Ende der Treppe etwa 15 m nach links, um dann gleich Weinbergsweg rechts bergauf zu nehmen. Diese letzte Steigung haben wir dann nach etwa 70 m erreicht und können den Ausblick auf einer hölzernen Sitzgruppe genießen.

Wer den Abstieg nicht über die Treppe machen will, kann einen kleinen Umweg über den Bergrücken des Kanzemer Bergs machen. Siehe hierzu die Sonderkarte. Wir gehen den Waldrandweg an der Hangkante entlang. Er führt nach rund 700 Metern in den Wald hinein. Wir gehen diesen Weg noch etwa knapp 100 m in den Wald und treffen rechts auf einen bergab führenden Weg mit der Kennzeichnung 1/2. Er erfordert etwas Trittsicherheit. Wir nehmen an seiner Einmündung am Waldrand den Landwirtschaftsweg nach rechts. In dessen Verlauf hat man einen guten Überblick über den Saarbogen. Man erkennt die alte Uferlinie links des Bahndamms. Nach wenigen 100 Metern führt der Weg in Serpentinen die Weinbergslage hinab in Richtung Weingut van Othengraven. Aufwändige Hangbefestigungen aus Gabionen (mit Steinen gefüllte Drahtkörbe) sichern den Weg vor Hangabrutschung. Unten angekommen können wir erkennen, wie die Bahnlinie den Bergsporn durchschneidet. Den Bahndamm können wir durch eine kleine tunnelartige Unterführung in Höhe des Weingutes unterqueren. Wir wenden uns nach rechts auf den kleinen asphaltierten Weg in Richtung Bahnhof. Auf dem Weg dorthin entdecken wir ein baufälliges Gebäude. Es handelt sich um das ehemalige Kelterhaus des Weingutes. Das Betreten ist gefährlich und deshalb auch untersagt.

Nach rund 50 Metern erreichen wir wieder den Kanzemer Bahnhof, den Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Schlusswort:
Erlebt und entdeckt haben wir eine einmalige Landschaft; geomorphologisch geformt, kulturhistorisch vielseitig geprägt, von der Saar umflossen, mit besten Weinen gesegnet und von liebenswürdigen Menschen bewohnt.

Erwin und Martin Lutz

Besucher seit November 2007

nach oben
j